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Wachrütteln, Anstöße geben, zum Handeln auffordern

von Bi-Bahntrasse

Wachrütteln, Anstöße geben, zum Handeln auffordern

(BZ vom 26. Mai)

Bürgerinitiative Bahntrasse und Hochschulstudenten eröffnen Ausstellung von Plakaten gegen den Bahnlärm im KiK

Offenburg. Die geplante Bahntrasse durch Offenburg hat jetzt auch das KiK erreicht: In der Kulturkneipe an der Weingartenstraße hängen bis Ende Juni zwölf Plakate und eine Collage aus weiteren Arbeiten, die 70 Erstsemester des Studiengangs Medien und Informationswesens der Hochschule Offenburg angefertigt haben. Zur Ausstellungseröffnung am Donnerstag sprach Schwester Martina Merkle, die stellvertretende Vorsitzende der Bürgerinitiative Bahntrasse.
Ein Haus trägt riesige Ohrschützer, Gleise führen mitten durchs Zimmer, eine junge Frau schaut schmerzverzerrt angesichts eines herannahenden Güterzugs: Die Studentinnen und Studenten, die sich im vergangenen Wintersemester mit dem 3. und 4. Gleis beschäftigt hatten, ließen sich einiges einfallen. Sie arbeiteten mit Verfremdungen und Zitaten, integrierten Edvard Munchs »Schrei« oder schrieben die Aufschrift einer Zigarettenschachtel um: »Die OG-Gesundheitsminister warnen: Erhöhter Bahnverkehr fügt Schaden zu.« Die Betrachter werden aufgefordert, nicht auf »DurchZug« zu stellen, sondern in die Offensive zu gehen: »Tu was! Wehr dich! Mach mit!« Die gelbe und die rote Karte sind doppeldeutig: Sie sind einerseits Verwarnungen in Richtung Bahn und signalisieren andererseits, dass Baden Farbe bekennt. Schließlich wird auch das Traumergebnis vorweg genommen: »Die Bahn kommt in den Tunnel.«
Eine gute Gebrauchsgrafik zeichne sich dadurch aus, dass sie eine klare Botschaft formuliere, erklärte Professor Ralf Lankau, auf dessen Initiative sich die angehenden Grafikdesigner ans Werk machten. Es bedürfe eines Blickfängers, der auch den vorüber eilenden Betrachter erreiche. Wenn Text- und Bildbotschaft in Einklang stehen, sei ein Plakat gelungen.
Er selbst hatte die »Qual der Wahl«, aus dem Berg an Arbeiten zwölf auszusuchen, da die Wände des KiK nicht mehr Platz bieten. »Das Leben ist eben ungerecht«, sagt Lankau mit einem Schmunzeln. Wobei sich nicht jede Arbeit geeignet hätte. Die Plakate wurden gerahmt, vier von ihnen will die BI noch vor den Sommerferien drucken lassen, vier weitere sollen im Herbst durch die Rotationsmaschine laufen. Auch die Bürgerinitiative im Markgräflerland habe schon nachgefragt und ihr Interesse bekundet, so Lankau. Das KiK als Ausstellungsraum habe sich angeboten: Hier werden auch Filme der Studenten gezeigt, außerdem sei die Nähe zu weiteren kulturellen Einrichtungen von Vorteil. Und für die Studenten gilt: »Weg vom Campus, rein in die Stadt.«
Lankau, der selbst Mitglied der BI ist, erhofft sich von der Plakatausstellung, dass dadurch noch mehr Menschen wachgerüttelt werden: »Die Bahn muss sich bewegen«, fordert der Hochschullehrer. Es könne nicht angehen, lediglich betriebswirtschaftlich zu denken. Man müsse auch volkswirtschaftliche Argumente berücksichtigen. Damit dürfte er Schwester Martina Merkle aus der Seele gesprochen haben, die in ihrem Grußwort die »Aktualität der Semesterarbeit« hervorhob: Beinahe punktgenau zur Veröffentlichung der Bahnpläne wurde die Schau eröffnet. Die Ordensfrau dankte Lankau dafür, dass er die Studierenden für ein lokales Gebiet sensibilisiert habe und freute sich, dass der studentische Nachwuchs ein »brisantes Thema« aufgegriffen und »Potemkin’sche Dörfer« wie »Mittelungspegel« und »Flüsterbremsen« kritisch hinterfragt habe. Die Plakate würden wachrütteln, Denkanstöße geben und zum Handeln aufrufen: »Hier begegnen sich Ihr Einsatz und das Engagement unserer Bürgerinitiative.« Mit den Plakaten hätten die Tunnelbefürworter ein weiteres Medium, um die Forderungen für einen menschenfreundlichen und umweltgerechten Ausbau der Bahn doch noch durchzusetzen: Offenburg dürfe nicht im Lärm ersticken, sagte Merkle.

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