Pressearchiv (2005 - 2016)

Auf der Suche nach der besten Lösung

von Bi-Bahntrasse

Auf der Suche nach der besten Lösung

Bis auf die Grünen stimmt der Gemeinderat der Forderung nach Überprüfung einer autobahnparallelen Trassierung zu

VON MANFRED DÜRBECK

Lahr. Wo sollen die beiden geplanten neuen Gleise der Bahn auf Lahrer Gemarkung hin? Autobahnparallel oder entlang der bestehenden Trasse? Und wie ist der optimale Lärmschutz für die Anlieger zu gewährleisten? Mit diesen beiden Komplexen beschäftigte sich der Gemeinderat in seiner Sitzung am Montagabend. Grundsätzlich sind alle Fraktionen für den Neubau. Im Detail gibt es dann aber doch deutliche Unterschiede in den Positionen.
Gegen die vier Stimmen der Grünen beschloss der Gemeinderat die Forderung eines angemessenen Planungshorizonts hinsichtlich der Zugzahlen, die erheblich höher seien als bislang zu Grunde gelegt. Zugleich wird die Überprüfung einer autobahnparallelen Trasse gefordert. Schließlich fordert die Stadt die Abschaffung des Schienenbonus bei der Bemessung von Schallschutzgrenzen. Klar ist, dass vor allem das Güterverkehrsaufkommen auf den Gleisen massiv zunehmen wird. Die Verwaltung geht davon aus, dass die im Bundesverkehrswegeplan prognostizierten Zahlen (436 Züge pro Tag) erheblich nach oben abgeändert werden müssen. Sie ist der Überzeugung, dass die Bahn aus betriebswirtschaftlichen Aspekten eine Vollauslastung anstrebt. Danach würden pro Tag 720 Züge auf der Trasse verkehren.

Grüne befürchten Verzögerungen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag
Die Grünen befürchten, dass durch die anhaltenden Diskussionen in vielen Gemeinden und vorhersehbare juristische Einsprüche das Projekt auf den Sankt-Nimmerleins-Tag geschoben werde. Dorothee Granderath kritisierte die Präsentation der Verwaltung als zu einseitig. Sie nähre die Hoffnung, eine autobahnparallele Trasse würde die Lärmbelästigung der Anlieger der alten Trasse reduzieren. Durch die getrennte Trassierung werde Landschaft zerstört, ohne dass die Menschen entlang der alten Gleise von Lärmschutzmaßnahmen profitierten: „Es wird noch mehr Lärm geben.” Granderath äußerte auch Zweifel an einem „naiven Wachstumsglauben” bezüglich der Auslastungszahlen.
Peter Ackermann sprach sich für die CDU dafür aus, die autobahnparallele Trassenführung zu prüfen. Dies werde auch von immer mehr Gemeinden entlang der Neubahnstrecke gefordert. Im Interesse der Menschen müssten alle Alternativen auf ihre Verträglichkeit ausgelotet werden. Schließlich müsse die Bahn auch das Potenzial des Flughafens als Güterverkehrsstandort mit in ihre Überlegungen einbeziehen. Ackermann forderte, in die Planungen auch die Forderung nach einer Lärmsanierung des rollenden Materials aufzunehmen.
Einer gründliche Überprüfung auch der autobahnparallelen Trasse sprach Walter Caroli (SPD) das Wort – und warnte zugleich vor zu viel Euphorie. Wir haben noch keine Grundlage für eine vernünftige Entscheidung. Zum einen müsse man den Landschaftsverbrauch bei der autobahnparallelen Führung im Blick haben. Wichtiger sei aber zu klären, welche Verbesserungen für den Lärmschutz dann noch an der bestehenden Trasse vorgesehen sei und welche Züge auf den alten Gleisen unterwegs seien.
Für die offene Prüfung aller Fragen sprach sich Eberhard Roth (FWV) aus. Auch er warnte wie Caroli vor Euphorie bei einer Autobahnparallele: „An den alten Gleisen wird es dann keine Ertüchtigung beim Lärmschutz geben.” Jörg Uffelmann (FDP) widersprach Granderath: Die Überprüfung alternativer Trassen geschehe nicht, weil man den Neubau verzögern wolle, sondern, weil man die beste Lösung anstrebe. Im Übrigen sei Lärmschutz kein Wundermittel. Er sorge nur dafür, dass Lärm anders verteilt werde und nicht dafür, dass er verschwindet.
Eine großen Bedarf an Informationen sah Bürgermeister Langensteiner-Schönborn. Nach derzeitigem Stand offen ist für ihn die Frage, ob eine Bündelungstrasse für Lahr eine Be- oder eine Entlastung bringt: „Wir werden jedenfalls für eine optimale Lösung für Lahr kämpfen.” Direkt betroffen von den Plänen sind auf Lahrer Stadtgebiet 6500 Bürger, die in einem Korridor von 500 Metern links und rechts der bestehenden Trasse wohnen.

Info: Heute Abend um 19 Uhr findet in der Schutterlindenberghalle in Hugsweier eine Bürgerinformation zum Thema Neubaustrecke der Bahn statt. Die Verwaltung stellt die Bahnpläne auf Lahrer Gemarkung vor. Die Bahn hat darauf verzichtet, einen Vertreter zu entsenden. Dafür wird Roland Diehl, Sprecher der Interessengemeinschaft Bahnprotest an Ober- und Hochrrhein (IG BOHR) aus Sicht der Betroffenen Stellung beziehen.

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