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IG Bohr: Bahn erkennt den Ernst der Lage nicht

von Bi-Bahntrasse

IG Bohr: Bahn erkennt den Ernst der Lage nicht

(BZ vom 15. Mai)

Freiburg. Die Verantwortlichen im Vorstand der Deutschen Bahn AG wollen noch immer nicht wahrhaben, dass es den Bürgern zwischen Offenburg und Buggingen ernst ist mit ihrem Widerstand gegen die Planungen zum Bau des dritten und vierten Gleises. Zu diesem Schluss kommt der Vorstand der Interessengemeinschaft Bahnprotest an Ober- und Hoch-Rhein (IG BOHR) aufgrund der Äußerungen von Stefan Garber, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bahn AG, in einem Interview der Badischen Zeitung vom 14. Mai. Besonders empört zeigt sich der Vorstand über die Behauptung Garbers, dass es keine »alternative Strecke« zur bisher geplanten Trasse gebe. »Da irrt sich Herr Garber gewaltig«, betont Albrecht Künstle von der Initiative Bürgerprotest Bahn Herbolzheim-Kenzigen. »Wir werden der Bahn klarmachen, dass es ab Offenburg bis Buggingen eine andere Streckenplanung geben muss.« Es könne daher auch keine Rede davon sein, dass die bisherigen Bahnpläne auf Akzeptanz bei der Bevölkerung stießen. Garber stelle sich zudem ein Armutszeugnis aus, wenn er behauptet, »dass alle vom Anstieg des Frachtvolumens überrascht worden sind«. Der viergleisige Ausbau der Rheintalbahn werde ja gerade wegen dieses prognostizierten Anstiegs in Angriff genommen, betont Künstle.
Falsch ist nach Ansicht von Manfred Wahl, Vorstand der Bürgerinitiative Bahntrasse in Offenburg, auch die Behauptung Garbers, dass die Bahn durch eine Alternativplanung viel Zeit und viel Geld verlieren würden. »Der Offenburger Tunnel erfordert weniger Planungsaufwand als beispielsweise die Führung der Trasse durch dicht besiedelte Wohngebiete und Mammutbauwerke durch Kenzingen.« Was die angeblich »strengen Lärmschutzvorschriften« betrifft, »streut der Bahn-Vorstand der Bevölkerung ebenfalls Sand in die Augen«, betont Roland Diehl, Vorsitzender der Bürgerinitiative MUT im Markgräflerland. Sechs bis neun Dezibel Lärmreduzierung erschwindelt sich die Bahn dadurch, dass sie den Ausgangslärm auf 25 Meter Abstand berechnet und nicht wie international üblich auf 7,5 Meter. Weitere fünf Dezibel gingen auf den so genannten Schienenbonus zurück, der die Bahn gegenüber anderen Lärmerzeugern zu Unrecht bevorzugt.
Zustimmung bei der IG BOHR findet lediglich der Hinweis von Garber, dass nur ein Teil der in Deutschland fahrenden Güterwagen der Deutschen Bahn gehört. »Nur 135.000 der 800.000 europäischen Waggons gehören der DB, deshalb stellt sich für uns auch die Frage, wie die Bahn bis 2020 den Lärm halbieren will«, erklärt Adalbert Häge von der Freiburger Bürgerinitiative IGEL. Schlussfolgerung der IG BOHR: Die Bürgerinitiativen werden in ihrem Widerstand nicht locker lassen, bis Politik und Bahn die Realität endlich zur Kenntnis nehmen, dass sich der Ausbau der Rheintalbahn an die Belange der betroffenen Menschen und nicht an die Belange der Bahn anzupassen hat. Eine Großkundgebung am 6. Oktober in Freiburg soll den Standpunkt der IG BOHR nochmals verdeutlichen.

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