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Zu viel Lärm trotz »Mauermonstrum«

von Bi-Bahntrasse

Zu viel Lärm trotz »Mauermonstrum«

(BZ vom 22. Mai)

Bahn kann allein durch meterhohe Schallschutzwände die gesetzlichen Lärmgrenzwerte bei 3000 Wohneinheiten nicht einhalten

VON UNSEREM REDAKTEUR HELMUT SELLER

Offenburg. Trotz bis zu sieben Meter hoher Schallschutzwände entlang der geplanten A 3-Trasse werden bei rund 3000 Wohneinheiten nachts die gesetzlichen Lärmgrenzwerte überschritten. Hier will die Bahn durch Schallschutzfenster und Lüftungsanlagen Abhilfe schaffen. Das gab Projektleiter Christophe Jacobi gestern vor dem Gemeinderat bekannt. Quer durch alle Fraktionen hagelte es massive Kritik an der Bahnplanung. OB Schreiner sieht weiter die Politik gefordert, um einen Güterzugtunnel durchzusetzen.
Es war gestern Abend keine leichte Aufgabe für Bahnplaner Jacobi, dem Gemeinderat die für Offenburg geplanten Maßnahmen gegen Lärm und Erschütterungsschutz nahe zu bringen – auch wenn er sich dabei jederzeit auf die gesetzlichen Vorgaben berufen konnte. Dekan i. R. Manfred Wahl, Vorsitzender der Bürgerinitiative Bahntrasse, machte gleich zu Beginn deutlich, was man in Offenburg von der A 3-Variante hält: Er sprach von »unsäglichen Trassenplänen«, geißelte die überholten Bahn-Privilegien beim Lärm, sprach beim Schallschutz von einem »16 Kilometer langen Mauermonstrum« und von drohender »Käfighaltung« für die betroffenen Anwohner.
Oberbürgermeisterin Edith Schreiner bekundete die Enttäuschung darüber, dass der Güterzugtunnel in den beim Eisenbahnbundesamt eingereichten Planfeststellungsunterlagen nicht im gleichen Umfang berücksichtigt wurde, wie die A 3-Trasse. Offenburg werde dies notfalls einklagen. Planer Jacobi hielt dem entgegen, dass der Güterzugtunnel zwar in zwei von 15 eingereichten Aktenordnern abgehandelt worden sei. Die Bahn schätze die Kosten für den Tunnel jedoch auf 660 Millionen Euro gegenüber 230 Millionen Euro für die A 3-Trasse: »Eine Differenz von 430 Millionen Euro ist zu viel, um noch mehrere hunderttausend Euro an öffentlichen Geldern in eine vertiefte Untersuchung zu stecken.«
OB Schreiner äußerte gleichwohl Unverständnis. Die Stadt selbst habe mehr als eine halbe Million Euro in die Hand genommen, um eine für Offenburg verträgliche Trasse zu finden. »Fakt ist«, so Schreiner, »dass wir uns mit den Planungen, die jetzt vorliegen, nicht zufrieden geben können.« Offenburg wolle eine Trasse, die die Güterzüge aus der Stadt nehme. Bei der A 3-Trasse kämen zu den von Jacobi genannten 230 Millionen Euro noch viele Gelder für passiven Schallschutz und Ähnliches hinzu. Erklärtes Ziel müsse es jetzt sein, Politiker aller Parteien für die Offenburger Interessen zu gewinnen. Das sehen auch die Vertreter aller Ratsfraktionen als dringend geboten. »Wir müssen darauf drängen, dass der Tunnel so schnell wie möglich ins laufende Verfahren aufgenommen und mit der gleichen Tiefe wie A3 berücksichtigt wird«, so CDU-Fraktionschef Kurt Feger. »Nur die Politik kann dafür sorgen, dass wir den Güterzugtunnel kriegen«, sagte SPD-Sprecher Jochen Ficht. Wenn bei 3000 Wohneinheiten die Grenzwerte nicht eingehalten werden könnten, so bedeute das eine massive Betroffenheit für 6000 bis 10.000 Menschen. Für Thomas Marwein von den Grünen »kann das Fazit des Tages nur lauten: So nicht!« Meterhohe Schallschutzwände quer durch die Stadt müsse man klar ablehnen. Da sich die Planer auch im Falle eines Prozesse auf die Gesetzeslage zurückziehen könnten, sei nun die Politik gefordert, die nötigen Gelder für Offenburg bereit zu stellen. Angelika Wald (Grüne) machte deutlich, dass durch Schallschutzwände der Straßenlärm gebündelt und damit sogar noch verstärkt wird. Wolfgang Schrötter (Freie Wähler) bewertet die Planungen der Bahn als »untragbar für Offenburg«. Und für Sibylle Laurischk (FDP) ist es »aberwitzig, was in Offenburg geplant ist«. Die Stadt würde verschandelt und in ihrer Entwicklungsfähigkeit gehindert.

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