Der Bürgerprotest zwingt zum Umdenken

von Bi-Bahntrasse

Der Bürgerprotest zwingt zum Umdenken

Die BI Bahntrasse Offenburg feiert am 30. November ihr 20-jähriges Bestehen.

Offenburg: Kundgebungen auf dem Lindenplatz, sechst Meter hohe Gerüste am Bahngraben, Kurzfilme in der Spielpause der WM - die BI Bahntrasse Offenburg hat die Bürger zum Protest gegen den geplanten Ausbau der Rheintalbahn mobilisiert.

20 Jahre ist es her, dass die BI gegründet wurde. Schwester Martina Merkle, ehemalige Vorsitzende, und Karl Bäuerle, erster Vorsitzender, erinnern sich an die Gründungszeit: Damals wurde gerade ein neues Schulgebäude am Kloster Unserer Lieben Frau in Betrieb genommen. "Wenn im Sommer die Fenster geöffnet waren, war ein normaler Unterricht nicht mehr möglich, wenn ein Zug fuhr", erzählt Schwester Martina. Vor allem bei Güterzügen sei der Lärm unerträglich gewesen: "Und es wurde von einer Verdopplung der Zugzahlen auf der bestehenden Trasse gesprochen."

Damals wurde ein Schaubild mit 16 von den Ausbauplänen betroffenen Einrichtungen im gesamten Stadtgebiet gezeigt: "Da wurde allen klar, alle sind betroffen." Dass alle Bürgerinitiativen zwischen Offenburg und Weil am Rhein an einem Strangzpgen, sei wichtig für den Erfolg gewesen, sind sich beide sicher.

Nach der Gründung am 30. November 2005 machten sich die Mitgleider daran, die Stadträte und die -verwaltung mit Argumenten zu überzeugen. "Uns war klar, dass wir an die Politiker müssen. Denn die Deutsche Bahn führt aus, was die Politik vorgibt", so Karl Bäuerle.

Kundgebung am Lindenplatz

"In der heißen Phase der Planung gab es am Oberrhein vier Großdemos, eine davon auf dem Lindenplatz in Offenburg", sagt Schwester Martina. Eines der wichtigsten Argumente aller Bürgerinitiativen sei stets die Gesundheitsschädigung durch Lärm - auch Bahnlärm - gewesen. "Die Presse begleitet uns von Anfang an positiv", erinnert sich Karl Bäuerle. Unterstützung kam ebenfalls von der Hochschule Offenburg. Erstsemester gestalteten Plakate, es wurden Kurzfilme gedreht. "Die Lisa-Filme wurden in den Pausen der Übertragung der Fußball-WM 2006 gezeigt", erinnert sich Schwester Martina. "Es war toll, dass wir die Großleinwand nutzen durften." Ame Ende hatte die BI die ganze Stadt auf ihrer Seite. Die Forderung nach einem Tunnel durch Offenburg fand breite Unterstützung.

Es waren 32 Ordner die nach Freiburg gefahren wurden

Zu Hochform lief die BI Bahntrasse während der Offenlage im Planfeststellungsverfahren 2008 auf. Die Pläne sahen sechs Meter hohe Lärmschutzwände mitten durch die Stadt vor. 45.420 Einwendungen kamen allein aus Offenburg. "Wir hatten eine Vorlage für alle Betroffenen erstellt", so Karl Bäuerle. "32 Ordner wurden in Freiburg dem Regierungspräsidium übergeben", so Martina Merkle.

Das Ergebnis kennt heute jeder: Das Regierungspräsidium lehnte die Pläne ab, ein Projektbeirat wurde gegründet und die Offenburger bekamen nach langem Kampf 2016 im Bundestag die Zusage für den Tunnel. Heute begleitet die BI Bahntrasse das Bauprojekt: Sie macht sich stark für eine Verlagerung des Tübbingwerks, aber auch, dass der Aushub vor Ort wiederverwendet wird. In Sachen Ertüchtigung der Bestandstrasse mischt sie ebenfalls mit: "Wir hoffen, dass es mit dem Tunnel nun zügig vorangeht und es keine weiteren Verzögerungen gibt."

Text: Christina Großheim

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