20 Jahre BI Bahn: 3 Fragen an Karl Bäuerle
von Bi-Bahntrasse
20 Jahre BI Bahn: drei Fragen an den Vorsitzenden Karl Bäuerle
Offenblatt - 20.11.2025 - "Die Themen gehen uns nicht aus"
Am Samstag, 29. November, feiert die BI Bahntrasse ihr 20-jähriges Bestehen in den Konferenzräumen der Oberrheinhalle – unter anderem mit einem Kurzfilm über die Geschichte der BI Bahntrasse.
Im Interview mit Vorsitzenden Karl Bäuerle.

Der BI-Vorstand mit (v.l.) Simone Golling-Imlau, Schwester Martina Merkle, Karl Bäuerle, Anita Rost u. Oliver Strauch.
Herr Bäuerle, was würden Sie als das Rezept der Erfolgsgeschichte BI Bahntrasse bezeichnen?
Karl Bäuerle: Nach Gründung der BI war unser vordringliches Bemühen, der Offenburger Bevölkerung aufzuzeigen, dass nicht lediglich der Offenburger Westen von den Bahnplänen berührt ist, sondern die ganze Stadt darunter zu leiden hätte. Die BI-Bahntrasse hatte auch schnell erkannt, dass bei der Aufteilung der Neubaustrecke in Planfeststellungsabschnitte (7.1 bis 9.3) nur ein Zusammenschluss der BIs am Oberrhein ein ernstzunehmendes Gegengewicht zur Bahn bilden konnte (IG-BOHR).
Von vornherein war auch klar, dass eine realistische Alternative erarbeitet werden musste, um nicht nur als übliche Protestler abgetan zu werden. Zwar gelang es, die Offenburger Bevölkerung in großer Zahl für unser Ziel (Verhinderung A3, dafür Tunnel im Westen) zu gewinnen, umso mehr galt es nun, auch die Stadt- und Landes- wie Bundespolitiker zu überzeugen. Denn die Bahn konnte/durfte ja nur nach den Vorgaben der Politik planen. Wir wussten, Erfolg werden wir nur erzielen, wenn sich Stadt, BI und Land auf ein gemeinsames Konzept einigten.
Zum Erfolgsrezept gehört auch, dass wir uns eindeutig vereinbart hatten, in den Auseinandersetzungen stets sachlich und fachlich profund zu argumentieren. Wir hatten Glück, in unser Erfolgsrezept die Hochschule einbeziehen zu können.
Würden Sie rückblickend etwas anders machen?
Bäuerle: Außer, dass unsere Sitzungen gerne mal bis Mitternacht dauerten, hätte ich hierzu keine Idee.
Mit dem Tunnel im Westen haben Sie Ihr großes Ziel erreicht. Wofür braucht es noch eine BI?
Bäuerle: Nach dem Tunnelbeschluss waren die wichtigen politischen Auseinandersetzungen zu einem guten Abschluss gekommen. Nun folgten die Besprechungen mit den Planern über die Ausführung und das Baustellenmanagement. Diese Verhandlungen waren nicht spektakulär, sodass sie in der Öffentlichkeit nicht so zum Tragen kamen, aber bei jeder Mitgliederversammlung ausführlich dargestellt und besprochen wurden.
Wir kämpften zum Beispiel für einen übergesetzlichen Schallschutz für Windschläg, wie er auch für die südlichen Gemeinden gilt. Enorm wichtig für die BI Bahntrasse ist das Thema Nachhaltigkeit – regionale Verwertung des Tunnel-Ausbruchmaterials statt Abtransport in den Norden, Bau eines temporären Tübbingwerks statt Antransport fertiger Tübbinge aus anderen Bundesländern und so weiter. Die Bahn sollte diese regionale Verwertung in ihrer Ausschreibung nicht ausschließen. Ein weiteres Arbeitsfeld tat sich mit der DB-seitig geplanten sechsjährigen Vollsperrung der Rheintalbahn mit Busersatzverkehr auf.
Die BI Bahntrasse kam nach vielen Überlegungen zum Schluss, dass die sechsjährige Sperrung über verschiedene Wege verhindert werden könnte. Dies käme auch den Offenburger Nahverkehrsnutzern zugute. Zusammen mit den noch mehr betroffenen Süd-BIs erarbeiteten wir Gegenvorschläge. Ebenfalls durch Expertisen von Fachbüros unterlegt, kann ein enorm hoher Geldbetrag durch den Verzicht auf 250 km/h auf der Rheintalbahn eingespart werden. Die Themen gehen uns also nicht aus.
