20 Jahre Hartnäckigkeit: Die Bi Bahn feiert in Offenburg
von Bi-Bahntrasse
20 Jahre Hartnäckigkeit: Die Bürgerinitiative Bahntrasse feiert in Offenburg
Seit zwei Jahrzehnten kämpft die Bürgerinitiative Bahntrasse Offenburg für den Güterzugtunnel - und hat dabei beispielloses erreicht. Bei einem Festakt blicken Schwester Martina Merkle und Co. stolz zurück.

FOTO : BARBARA PUPPE
Sie haben wahrlich Grund zum Feiern: Karl Bäuerle, Schwester Martina Merkle und Manfred Wahl.
Mit einem Rückblick auf 20 Jahre Bürgerinitiative wurde am Samstag eine Erfolgsgeschichte gefeiert. Offenburg hatte 2016 im Bundestag die Zusage für den Güterzugtunnel bekommen, eines der längsten Tunnelbauwerke Deutschlands. Und das, obwohl anfangs alles danach aussah, als wären die Pläne der Bahn unausweichlich. Nicht nur die Stadtteile Albersbösch und Hildboldsweier wären noch stärker zerteilt worden, die ganze Stadt wäre betroffen gewesen. Häuser hätten abgerissen werden müssen, ein sechs Meter hoher Lärmschutzwall hätte die Stadt geteilt.
Frontfrau des Protestes ist Schwester Martina Merkle vom Offenburger Kloster Unserer Lieben Frau. „Bei offenen Fenstern konnten wir im Unterricht durch den Güterzuglärm das eigene Wort nicht verstehen und durch den nächtlichen Bahnverkehr keine ruhige Nacht mehr durchschlafen“, erinnerte sie sich während der Feier. Da wurde ihr klar: Man muss etwas tun – denn „für Offenburg am besten“, so der spätere BI-Slogan, sei „ein Tunnel im Westen“.
Jahrelang ist viel ehrenamtliche Arbeit in die BI geflossen
„Wir hatten viele Menschen hinter uns, die Offenburger und weitere Bürgerinitiativen am Oberrhein“, so der aktuelle BI-Vorsitzende Karl Bäuerle. Diese Proteststärke habe die Bahn nicht übergehen können. Aufgeben sei keine Option gewesen, ganz im Sinne des revolutionären Offenburger Bürgergeistes, der schon 1847 in die 13 Forderungen des Volkes mündete. Mit teils umgedichteten Freiheitsliedern mischte deshalb die Badische „Babbel Band“ die Feier auf.
Der BI-Vorsitzende begrüßte langjährige Mitstreiter, Freunde der Bürgerinitiativen zwischen Offenburg und Weil am Rhein, Ehrengäste und Vertreter der Bahn. Es gelte nicht nur den greifbar nahen Erfolg der gemeinsamen Bemühungen zu feiern, sondern das ausdauernde ehrenamtliche Engagement vieler Menschen, die Projektentscheidungen der Bahn kritisch hinterfragt, schwierige Bahnpläne durchgearbeitet und nach bestmöglichen Lösungen für Mensch und Umwelt gesucht haben.
Bürgermeister Oliver Martini würdigte die großen Verdienste, das beharrliche und leidenschaftliche Engagement derer, die sich stark für nachfolgende Generationen gemacht haben. Dieser Einsatz wurde 2018 mit dem Bundesverdienstkreuz für die damaligen BI-Vorsitzenden Dekan Manfred Wahl und Schwester Martina Merkle gewürdigt.
„Schön, dass es euch gibt“, sagte Christoph Klenert, Leiter des Bahnprojektes Karlsruhe-Basel. „Wer hätte 2005 daran gedacht, dass jemand von der Bahn mal sowas sagt?“. Er schloss mit dem Wunsch: „Helfen Sie weiter mit, dass aus dem unüberhörbaren Protest gegen Güterzuglärm unhörbare Güterzüge werden“.
Glückwünsche gab es auch von Roland Diehl, dem Vorsitzenden der IG Bohr, wo die Fäden für das Offenburger Bahnprojekt zusammenlaufen. Die Forderungen der Aktiven seien in einem 30-seitigen Memorandum festgelegt worden. Da es bei der Bahn üblich sei, jedem Eisenbahntunnel einen Namen zu geben, schlug er im Scherz vor, die rechte Röhre Martina zu nennen, die linke Manfred. Gerhard Kaiser, Sprecher der BI Mut, erinnerte an unzählige Fraktionsbesuche mit starkem Gegenwind und dankte für 20 Jahre hartnäckigen Einsatz gelebter Verantwortung.
Nun sieht die BI dem für 2028 angedachten Spatenstich für das Jahrhundertprojekt entgegen. Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Unter anderem Verhandlungen über die regionale Verwertung des Tunnelaushubs und zur DB-Planung einer sechsjährigen Sperrung der Rheintalbahn wegen der notwendigen Schienenerweiterung.
20 Jahre Hartnäckigkeit die Bi-Bahntrasse feiert in Offenburg (BZ vom 30.11.2025)
